Wer hätte das gedacht !
  Foto by speedpixel.de [click!]
16.05.2004 – Einen Tag nach dem Geburtstag meiner Mutter Platz 4 und einen Sieg bei einem meiner Heimrennen! Durch mein Zusatzgewicht von 40 kg bin ich nach Hockenheim eigentlich ohne große Hoffnungen auf einen Sieg gefahren.
 

1. freies Training
Leider muss ich erst einmal sagen, dass für mich an der Strecke in Hockenheim noch etwas getan werde muss. Man ist schneller wenn man neben der Strecke fährt, als darauf. Das kommt durch die großen Auslaufzonen, die man für die Formel 1 gebaut hat und die man mit einem Tourenwagen voll als Rennstrecke mitbenutzt. In der Fahrerbesprechung hat uns unser Rennleiter gesagt, dass wir immer mit zwei Rädern auf der Strecke bleiben müssen. Das habe ich im ersten freien Training dann auch gemacht und bin dafür mit Platz 13 belohnt worden. Nach dem Training sind Dirk und ich dann zu unserem Rennleiter. Der hat uns gesagt, dass er es bei so vielen Autos nicht mehr kontrollieren könnte wer auf und neben der Strecke fährt.

2. freies Training
Diese Aussage des Rennleiters hieß für uns dann freies Blasen und jeden Zentimeter der Strecke... und auch der Auslaufzonen... zu nutzen. Im ersten freien Training haben wir ein bisschen mit der hinteren Feder rumgespielt und im zweiten freien Training die Stabilisatoren ein wenig angepasst. So richtig unzufrieden war ich mit meinem Auto in Hockenheim eigentlich nie. Einzig meine Zusatzgewicht war beim Bremsen und beim Beschleunigen recht stark zu spüren. Das zweite freie Training habe ich dann mit Platz sechs abgeschlossen.

Quali
Für das Zeittraining haben wir noch eine kleine Veränderung an den Stabilisatoren und an den hinteren Dämpfern gemacht. Ich habe dann am Anfang des Zeittrainings das Auto noch einmal auf alten Reifen kontrolliert und das Set-Up war echt gut. Mit meinem ersten neuen Satz Reifen konnte ich dann auch gleich die bis dahin viert beste Zeit fahren. Tja, mit meinem zweiten Satz, der normalerweise immer schneller ist, da man sich erst an den Grip gewöhnen muss, konnte ich mich leider nicht verbessern. Ich hatte in beiden Runden leichten Verkehr, was mir jeweils ein bis zwei Zehntel Sekunden gekostet hat. Am Ende ist es dann Platz 10 geworden. Damit konnte ich aber echt zufrieden sein, weil ich nur fünf Zehntel langsamer war als der Mann auf der Pole.

Warm up
Auch im Warm Up war ich von der Platzierung her wieder nur unter ferner liefen. Das hat mir aber nichts ausgemacht, da der Abstand zur Spitze von der Zeit her wieder nur klein war und laut einer Simulation am Computer die 40 kg Ballast ungefähr sechs Zehntel Sekunden ausmachen. Also hieß es im Rennen zu kämpfen wie ein Löwe.

1. Rennen
Mein Start war so weit o.k. Was mich nur gewundert hat wat das die Alfa Romeos mittlerweile genauso gut starten wie wir. Ich konnte bis zur zweiten Kurve nur einen Platz gut machen und bin als neunter auf die Gegengeraden in Richtung Spitzkehre. Vor mir war ein ziemliches durcheinander. Ich war direkt hinter den Alfas von Tarquini und Farfus und hatte da einen echten Logenplatz für das Alfa-Drama von Hockenheim. Beim Bremsen waren Tarquini und Farfus nebeneinander. Fafus hat dann versucht seinen Teamkollegen nach innen abzudrängen, wie ich es in meinem Leben noch nie gesehen habe. Bei dem Schlenker von Farfus gegen Tarquini haben sich die beiden Autos dann berührt und Tarquini ist mit seinem Hinterrad über das Vorderrad von Farfus aufgestiegen. Tarquini ist dann geradeausgeschossen und seine Bremse hieß nicht Leitplanke sondern Teamkollege Nr. 3 - Giovanardi. Alle drei Alfas hatten sich damit selbst eliminiert und ich konnte innen vorbei auf die fünfte Position schlüpfen. Danach hatte ich noch einige Runden mit Frank Diefenbacher zu kämpfen, der hier in Hockenheim, wie übrigens alle drei Seats echt schnell unterwegs waren. In Runde sieben konnte ich Frank in der Spitzkehre ausbremsen und auf Platz vier vorfahren. Ich konnte dann noch eine Lücke auf Jordi Gene zufahren, aber ihn nicht mehr überholen. Platz vier im ersten Rennen war dann die fünfte Startposition für das zweite Rennen.

2. Rennen
Gleich nach dem Start konnte ich mich in der Spitzkehre an die zweite Position setzen. Aus welchem Kuddelmuddel das so schnell ging weiß ich auch nicht mehr genau. Wenn in der Startphase so viele Autos um einen herum sind, versucht man einfach nur jede Lücke zu nutzen, ohne Kontakt mit einem Konkurrenten zu haben. Vor mir war nur noch Antonia Garcia der mit seinem BMW ohne Gewicht unterwegs war. Die Lücke zu ihm konnte ich mit meinen neuen Reifen, die ich mir für den zweiten Lauf aufgespart hatte, recht schnell zufahren. Zum Überholen hatte ich aber eigentlich keine Chance, da Antonio mir ohne Gewicht auf den Geraden immer wieder weggefahren ist. Ab der fünften Runde ist Garcia aber dann ziemlich nervös geworden und hat viele Fehler gemacht, so dass hinter mir auch Dirk, mein Teamkollege, aufschließen konnte. In der siebten Runde konnte ich dann einen richtigen groben Fehler von Antonio ausnutzen und in Führung gehen. Eine Runde später ist dann auch Dirk an Garcia vorbeigegangen und wir hatten eine BMW Deutschland Doppelführung. In der letzten Runde hatte ich einen kleinen Quersteher auf die lange Gegengerade und Dirk konnte sich neben mich setzen. Wir haben dann noch ein paar Windschattenspiele gemacht und sind nebeneinander auf die Spitzkehre zu. Ich hatte die etwas bessere Linie, da ich auf der Innenseite der Kurve war und konnte meine Führung beim Rausbeschleunigen halten. Dirk musste einen weiteren Weg fahren und so konnte Antonio Garcia noch innen an Dirk vorbeischlüpfen. Das war mein ersten Sieg, den ich mit 40 kg Ballast einfahren konnte.

Ich führe jetzt nach Hockenheim mit zwei Punkten Vorsprung vor Dirk in der Meisterschaft. Beim nächsten Rennen in Brünn, in zwei Wochen, haben wir dann beide 40 kg in unseren Boliden. Ich hoffe jetzt den Rest der Saison 40 kg an Bord zu haben, denn das würde heißen, dass ich in der Meisterschaft vorne bleibe.

Schöne Grüße
Meister „40kg“