Sieg beim 24 Stunden auf dem Nürburgring
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13.06.2004 – Für mich ist am letzten Wochenende ein Traum wahr geworden. Es war meine 5. Teilnahme beim Langstreckenklassiker in der grünen Hölle. Mit meinem Traum-Teamkollegen Dirk Müller und Hans Joachim Stuck konnte ich bei schlimmsten Wetterbedingungen das 24 Stunden Rennen auf dem Nürburgring gewinnen. Ich kann es noch nicht glauben.
 

Ich bin schon am Mittwoch angereist, um mich auf mein Highlight in diesem Jahr 100%-ig vorzubereiten. Eigentlich wollten wir auch am Mittwoch Abend, wie schon im letzten Jahr den Autocorso um die Nordschleife mitfahren. Das ist dann aber leider ausgefallen, weil unsere Autos noch nicht hundertprozentig fertig waren. Abends sind wir dann mit allen 6 BMW Fahrern rausgefahren zu Captain Ahab, der schon seit 32 Jahren am selben Platz auf der Nordschleife steht. Zuerst gab es da ein Bobbycar Rennen und um 11 Uhr ein schönes Feuerwerk.

Donnerstag war dann der Adenauer Raceday. Wir sind so um 18 Uhr in Cabrios die erste Hälfte der Nordschleife bis Adenau gefahren. Da war schon richtig was los auf der Nordschleife. An der Nordschleifenauffahrt in Adenau sind wir dann alle in einen alten Traktor mit einem Anhänger umgestiegen und in die brechend volle Stadt gefahren. Ich habe gedacht das Adenau im Ausnahmezustand ist, so viele Menschen waren da. Unser Traktorpilot war übrigens Striezel. Die Rückfahrt mit dem Traktor war dann eine etwas längere. Ich glaube wir haben für die paar Kilometer von Adenau über die Nordschleife bist Start und Ziel 2 Stunden gebraucht. Natürlich haben wir zwischendurch auch noch ein paar mal angehalten. Am Schwalbenschwanz haben wir zum Schluss in einem kleinen Zelt um die Wette genagelt und unser letztes „Gute Nacht Bierchen“ getrunken.

1. Training
Endlich war es dann soweit. Hans hat als erfahrenster Mann der Nordschleife in unserem Team das Training aufgenommen. Da auf der Nordschleife immer sehr viel Verkehr ist, ist meistens nur die erste Runde schnell, da diese noch fast ohne Verkehr ist. Hans konnte ins einer ersten freien Runde unser Auto mit einer 8.39er Zeit easy auf den 4.Platz stellen. Nachdem Hans 3 Runden gefahren war durfte ich endlich ran. Für mich waren 4 gezeitete Runden geplant, da ich das letzte Mal mit dem M3 GTR am 20.03.2004 bei den VLN Einstellfahrten unterwegs war und somit schon länger nicht mehr auf der Nordschleife gefahren bin.

Die ersten zwei Runden muss man mit so einem Boliden auf so einer anspruchsvollen Strecke immer die Pobacken ein bisschen zusammenkneifen. Ich konnte in meiner 3. Runde unsere Rundenzeit noch mal um drei Sekunden zu Stuckis Zeit steigern. Nach mir war dann Dirk an der Reihe, der in seinen 4 Runden noch mal unsere Zeit um 4 Sekunden steigern konnte. Somit war das vorerst der 3. Startplatz. Unser Schwesterauto wurde in der ersten fliegenden Runde zerstört und war somit auf dem vorerst letzten Startplatz.

2. Training
Für das zweite Training war unser Auto dann schon im Renntrimm. Wir haben dazu den Motor, das Getriebe, die Hinterachse und fast alle Aufhängungsteile ausgetauscht. Wir haben auch noch eine kleine Veränderung am Fahrwerk vorgenommen um den eh schon gut liegenden M3 noch besser zu machen. Das zweite Training fing dann auch nass an und jeder von uns hatte eigentlich nur noch einen Autocheck gemacht um ein Gefühl für das Fahrverhalten im Regen zu bekommen. Als es dann Dunkel war, ist jeder von uns noch eine vorsichtige Runde gefahren um das Licht zu kontrollieren. Da es in der Mitte des zweiten Trainings noch einmal Trocken wurde sind wir noch auf den vierten Platz zurückgerutscht. Der BMW mit der Nummer 43 konnte sich noch auf den 10 Startplatz vorschieben, was für unser Team viel wichtiger war.

Das Rennen
Ich hatte die Ehre den Start fahren zu dürfen. Die Reifenwahl war wohl das wichtigste in dieser Situation. Ich habe mich dann mit Charly Lamm für geschnittene Slicks entschieden, die etwas härter sind als Regenreifen und Intermediats, aber etwas besser sind als komplette Slicks wenn es leicht feucht ist. In unserer Einführungsrunde war es dann komplett Trocken und ich dachte schon das wir auf den falschen Reifen unterwegs sind. Bei Start und Ziel fing es dann aber wieder leicht an zu Tröpfeln und die Hatz über 24 Stunden ging los. Ein Audi, der Porsche von Manthey und ein V8 Star waren auf Inters unterwegs und somit etwas stärker als ich. Am Flugplatz ging es dann in der ersten Runde schon heiß her. Uwe Alzen, der auf Slicks unterwegs war, bremste uns ziemlich ein und ich war eingeklemmt zwischen einem Audi und dem V8 Star, den ich dann auch leicht berührt habe als er vom Gas musste. Am Schwedenkreuz waren wir dann an Uwe vorbei. Ich war 4. hinter den 3 besser bereiften Autos vor mir.

Als es dann wieder trockener wurde konnte ich meinen Reifenvorteil wieder ausspielen und an die Spitze gehen. Bis zum Ende meines Turns konnte ich dann dem Zweitplatzierten 1 1/12 Minuten abnehmen und das Auto an Dirk übergeben. Mein zweiter Turn ging dann in die Dämmerung mit Slicks. Ich konnte die beste Rundenzeit unseres Autos in diesem Turn mit einer Zeit von 8.33.9 Minuten fahren ohne ein größeres Risiko einzugehen. Nach drei Runden fing es dann aber wieder an zu schütten und ich habe mich mit den Slicks mit 50 Km/h in die Boxengasse geschleppt um den nächsten Turn auf Regenreifen zu fahren. In der Nacht und am nächsten Morgen bin ich dann noch 3 Turns auf Regenreifen mit sehr viel Sicherheit gefahren, da wir schon über eine Runde Vorsprung hatten. Mein letzter Turn war dann der Vorletzte unseres Autos in diesem Rennen und ich habe schon Speed herausgenommen um das Auto zu schonen. Dirk hat dann den letzten Turn gefahren und unser Auto ins Ziel getragen.

Das war für mich der Hammer, die 24 Stunden auf dem Ring zu gewinnen. Das für mich anstrengenste Rennen meiner Karriere, da die Wettersituation so unterschiedlich und schwierig waren und man eigentlich immer auf den falschen Reifen unterwegs war. Richtig lustig ist da auch nicht, immer Nachts im Regen mit 260 Km/h das Kesselchen raufzubrennen. Ein riesiges Kompliment muss ich erst einmal meinen Teamkollegen Hans Joachim Stuck und Dirk Müller machen, da die beiden fehlerfrei und konstant schnell das Auto um die Strecke gewuchtet haben. Aber das dickste Bussi geht an das Team Schnitzer. Was das Team im Augenblick leistet ist unglaublich. Neben den Autos der Tourenwagen Europameisterschaft für Dirk und mich hat die Mannschaft um Charly Lamm mit BMW zwei Granaten Autos auf den Ring hingestellt, die ohne jegliche Probleme wie die Uhrwerke gelaufen sind. Vielen lieben Dank!

So jetzt mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Freitag und Samstag sind wir in Ungarn beim testen und in zwei Wochen geht’s wieder in Donington in der ETCC zu Sache! Also Daumen Drücken.

Euer Jörg

Quicklink:
Die Fotos zum Wochenende am Nürburgring