Ich bin schon am Mittwoch angereist, um mich auf
mein Highlight in diesem Jahr 100%-ig vorzubereiten. Eigentlich
wollten wir auch am Mittwoch Abend, wie schon im letzten Jahr den
Autocorso um die Nordschleife mitfahren. Das ist dann aber leider
ausgefallen, weil unsere Autos noch nicht hundertprozentig fertig
waren. Abends sind wir dann mit allen 6 BMW Fahrern rausgefahren
zu Captain Ahab, der schon seit 32 Jahren am selben Platz auf der
Nordschleife steht. Zuerst gab es da ein Bobbycar Rennen und um
11 Uhr ein schönes Feuerwerk.
Donnerstag war dann der Adenauer Raceday. Wir sind so um 18 Uhr
in Cabrios die erste Hälfte der Nordschleife bis Adenau gefahren.
Da war schon richtig was los auf der Nordschleife. An der Nordschleifenauffahrt
in Adenau sind wir dann alle in einen alten Traktor mit einem Anhänger
umgestiegen und in die brechend volle Stadt gefahren. Ich habe
gedacht das Adenau im Ausnahmezustand ist, so viele Menschen waren
da. Unser Traktorpilot war übrigens Striezel. Die Rückfahrt
mit dem Traktor war dann eine etwas längere. Ich glaube wir
haben für die paar Kilometer von Adenau über die Nordschleife
bist Start und Ziel 2 Stunden gebraucht. Natürlich haben wir
zwischendurch auch noch ein paar mal angehalten. Am Schwalbenschwanz
haben wir zum Schluss in einem kleinen Zelt um die Wette genagelt
und unser letztes „Gute Nacht Bierchen“ getrunken.
1. Training
Endlich war es dann soweit. Hans
hat als erfahrenster Mann der Nordschleife in unserem Team das
Training aufgenommen. Da auf der
Nordschleife immer sehr viel Verkehr ist, ist meistens nur die
erste Runde schnell, da diese noch fast ohne Verkehr ist. Hans
konnte ins einer ersten freien Runde unser Auto mit einer 8.39er
Zeit easy auf den 4.Platz stellen. Nachdem Hans 3 Runden gefahren
war durfte ich endlich ran. Für mich waren 4 gezeitete Runden
geplant, da ich das letzte Mal mit dem M3 GTR am 20.03.2004 bei
den VLN Einstellfahrten unterwegs war und somit schon länger
nicht mehr auf der Nordschleife gefahren bin.
Die ersten zwei Runden
muss man mit so einem Boliden auf so einer anspruchsvollen Strecke
immer die Pobacken ein bisschen zusammenkneifen. Ich konnte in
meiner 3. Runde unsere Rundenzeit noch mal um drei Sekunden zu
Stuckis Zeit steigern. Nach mir war dann Dirk an der Reihe, der
in seinen 4 Runden noch mal unsere Zeit um 4 Sekunden steigern
konnte. Somit war das vorerst der 3. Startplatz. Unser Schwesterauto
wurde in der ersten fliegenden Runde zerstört und war somit
auf dem vorerst letzten Startplatz.
2. Training
Für das zweite Training war unser Auto dann schon im Renntrimm.
Wir haben dazu den Motor, das Getriebe, die Hinterachse und fast
alle Aufhängungsteile ausgetauscht. Wir haben auch noch eine
kleine Veränderung am Fahrwerk vorgenommen um den eh schon
gut liegenden M3 noch besser zu machen. Das zweite Training fing
dann auch nass an und jeder von uns hatte eigentlich nur noch einen
Autocheck gemacht um ein Gefühl für das Fahrverhalten
im Regen zu bekommen. Als es dann Dunkel war, ist jeder von uns
noch eine vorsichtige Runde gefahren um das Licht zu kontrollieren.
Da es in der Mitte des zweiten Trainings noch einmal Trocken wurde
sind wir noch auf den vierten Platz zurückgerutscht. Der BMW
mit der Nummer 43 konnte sich noch auf den 10 Startplatz vorschieben,
was für unser Team viel wichtiger war.
Das Rennen
Ich hatte die Ehre den Start fahren zu dürfen. Die Reifenwahl
war wohl das wichtigste in dieser Situation. Ich habe mich dann
mit Charly Lamm für geschnittene Slicks entschieden, die etwas
härter sind als Regenreifen und Intermediats, aber etwas besser
sind als komplette Slicks wenn es leicht feucht ist. In unserer
Einführungsrunde war es dann komplett Trocken und ich dachte
schon das wir auf den falschen Reifen unterwegs sind. Bei Start
und Ziel fing es dann aber wieder leicht an zu Tröpfeln und
die Hatz über 24 Stunden ging los. Ein Audi, der Porsche von
Manthey und ein V8 Star waren auf Inters unterwegs und somit etwas
stärker als ich. Am Flugplatz ging es dann in der ersten Runde
schon heiß her. Uwe Alzen, der auf Slicks unterwegs war,
bremste uns ziemlich ein und ich war eingeklemmt zwischen einem
Audi und dem V8 Star, den ich dann auch leicht berührt habe
als er vom Gas musste. Am Schwedenkreuz waren wir dann an Uwe vorbei.
Ich war 4. hinter den 3 besser bereiften Autos vor mir.
Als es
dann wieder trockener wurde konnte ich meinen Reifenvorteil wieder
ausspielen und an die Spitze gehen. Bis zum Ende meines Turns konnte
ich dann dem Zweitplatzierten 1 1/12 Minuten abnehmen und das Auto
an Dirk übergeben. Mein zweiter Turn ging dann in die Dämmerung
mit Slicks. Ich konnte die beste Rundenzeit unseres Autos in diesem
Turn mit einer Zeit von 8.33.9 Minuten fahren ohne ein größeres
Risiko einzugehen. Nach drei Runden fing es dann aber wieder an
zu schütten und ich habe mich mit den Slicks mit 50 Km/h in
die Boxengasse geschleppt um den nächsten Turn auf Regenreifen
zu fahren. In der Nacht und am nächsten Morgen bin ich dann
noch 3 Turns auf Regenreifen mit sehr viel Sicherheit gefahren,
da wir schon über eine Runde Vorsprung hatten. Mein letzter
Turn war dann der Vorletzte unseres Autos in diesem Rennen und
ich habe schon Speed herausgenommen um das Auto zu schonen. Dirk
hat dann den letzten Turn gefahren und unser Auto ins Ziel getragen.
Das war für mich der Hammer, die 24 Stunden auf dem Ring
zu gewinnen. Das für mich anstrengenste Rennen meiner Karriere,
da die Wettersituation so unterschiedlich und schwierig waren und
man eigentlich immer auf den falschen Reifen unterwegs war. Richtig
lustig ist da auch nicht, immer Nachts im Regen mit 260 Km/h das
Kesselchen raufzubrennen. Ein riesiges Kompliment muss ich erst
einmal meinen Teamkollegen Hans Joachim Stuck und Dirk Müller
machen, da die beiden fehlerfrei und konstant schnell das Auto
um die Strecke gewuchtet haben. Aber das dickste Bussi geht an
das Team Schnitzer. Was das Team im Augenblick leistet ist unglaublich.
Neben den Autos der Tourenwagen Europameisterschaft für Dirk
und mich hat die Mannschaft um Charly Lamm mit BMW zwei Granaten
Autos auf den Ring hingestellt, die ohne jegliche Probleme wie
die Uhrwerke gelaufen sind. Vielen lieben Dank!
So jetzt mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Freitag
und Samstag sind wir in Ungarn beim testen und in zwei Wochen geht’s
wieder in Donington in der ETCC zu Sache! Also Daumen Drücken.
Euer Jörg
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