Doppelbelastung in Spa
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01.08.2004 – Ein hartes, aber erfolgreiches Wochenende war das für mich in Franchochamps. Ein erster und ein zweiter Platz in der ETCC und einen 6. Gesamtrang und der Klassensieg beim 24 Stunden Rennen waren ein schöner Erfolg. Doch am Sonntag Nachmittag war ich durch die Doppelbelastung ziemlich platt.
 

Für uns ging es schon am Mittwoch los. Wir sind mit Cabriolets von der Rennstrecke nach Spa in die Stadt und von dort aus weiter nach Liege gefahren um Werbung für das 24 Stunden Rennen zu machen. So weit war das eine lustige Geschichte, es waren nur leider zu wenig Zuschauer da.

Foto by speedpixel.de [click!]Der Donnerstag war dann komplett mit unserem 24 Stunden Auto verplant. Am Vormittag gab es ein erstes freies Training in dem wir uns erst einmal auf unser Auto und die Strecke einstellen konnten. Mit meinen Teamkollegen Dirk Müller und Hans Joachim Stuck haben wir da auch schon einmal die ersten Fahrerwechsel geübt. Die Fahrerwechsel in Spa sind etwas schwerer als auf dem Nürburging da die Boxenstopps durch die Schnelltankanlage wesentlich kürzer sind und wir in Spa das Hans system tragen müssen. Unser Auto lag eigentlich von Anfang an Recht gut weshalb wir am Set up nicht mehr viel machen brauchten. Das zweite freie Training am Nachmittag war deshalb für uns auch nur um uns Fahrer noch einmal auf die Strecke und die Konkurrenz einzustellen. Am frühen Abend war das erste Qualifying. Dirk hat da gleich in den ersten 10 Minuten einmal eine Runde in den Asphalt gebrannt, die wohl alle von uns überrascht hat. Mit der Zeit sollten wir am Ende auf einem tollen 11. Startplatz stehen, was in einem Feld von 550ern und 575ern Ferraris, Saleen und Viper's, die mehr als 100 PS mehr haben, wirklich topp war. Im Nachttraining sind wir dann alle drei noch einmal ins Auto gesprungen um das Licht einzustellen und uns auf die Nacht vorzubereiten.

Am Freitag sind wir mit unserem GTR gar nicht mehr gefahren um uns auf die ETCC zu konzentrieren. Im ersten freien Training war ich 5ter. Ich war endlich einmal wieder richtig zufrieden mit meinem Auto und habe so für das zweite freie Training nur ein bisschen an den Stoßdämpfern verändert. Im zweiten freien Training war ich dann schnellsten mit einem fast perfekten Auto. So perfekt wie mein Auto ist dann auch das Qualifying gelaufen. Da wir in Spa mit den Autos der Deutschen Meisterschaft zusammen gefahren sind und somit 34 Fahrzeuge waren, war es das wichtigste eine Runde ohne Verkehr zusammen zu bekommen. Mein Team hat mich genau zur richtigen Zeit herausgeschickt. In meiner ersten gezeiteten Runde konnte ich dann eine Zeit hinzaubern, die keiner mehr schlagen konnte. So hatte ich dann noch zwei Satz neue Reifen für das Rennen.

Foto by speedpixel.de [click!]Am Samstag früh um 8 Uhr fingen dann die für mich mit dem ETCC Warm Up härtesten 32 Motorsportstunden meiner Karriere an. Ich war im Warm Up nur 11er, habe aber wirklich nur mein Auto kontrolliert und nicht hart gepusht. Im ersten Rennen konnte ich mich von der Poleposition gleich in Führung setzen. Ich hatte wegen einem ersten abgebrochenen Start meine Reifen nicht richtig auf Temperatur gebracht. Dirk der zweiter hinter mir war, hat so aggressiv angegriffen, das ich ihn vorbeilassen musste um nicht zu riskieren, dass wir zusammen abfliegen. Als meine Reifen nach der dritten Runde dann auf Temperaturen waren habe ich dann wieder Dirk angegriffen, der allerdings so geschickt geblockt hat, dass ich keine Chance gehabt hatte fair an ihm vorbei zu kommen. Aber das wichtigstes war, es mit dem zweiten Platz wieder 8 Punkte auf meinem Konto zu haben.

Der Start zum zweiten Lauf war wieder klasse. Ich konnte mich durch die Hilfe von meinem Teamkollegen Dirk, der mich die lange gerade berauf an die BMW´s von Garcia und Priaulx vorbeigeschoben hat, gleich auf Platz 3 setzen. In der ersten Runde konnte ich mich dann auch an Tarquini vorbei auf den 3. Platz vorfahren. Als ich mich in der zweiten Runde auf der Geraden neben den Alfa von Farfus setze, fing es an unfair zu werden. Farfus hat mich bei Tempo 230 in die Wiese gedrückt. Ich bin aber voll auf dem Pin geblieben, um das Auto nicht zu verlieren. Kurz vor dem Bremspunkt bin ich wieder auf den Asphalt zurückgekommen und als erster in die Schikane eingebogen. In der zweiten Kurve ist mir Farfus dann noch einmal seitlich ins Auto gefahren und ich bin wieder auf den dritten Platz zurückgefallen.

Foto by speedpixel.de [click!]Farfus hat für seine Aktionen dann eine Drive Through Strafe bekommen, aber ich hoffe, dass sich die Sportkommissare diese Aktion und eine weitere unfaire Aktion mit Garcia noch einmal anschauen. In der dritten Runde bin ich dann wieder an Tarquini vorbei und nachdem mich Farfus noch einmal bremsen wollte hat er einen Fehler gemacht und ich konnte in Führung gehen. Den Sieg habe ich mir dann auch nicht mehr nehmen lassen und meinem Punktekonto noch einmal 10 Punkte geschenkt.

Nachdem Hans Stuck den Start im M3 GTR gefahren hat ging es dann, 2 Stunden nach dem ETCC Rennen, für mich beim 24 Stunden Rennen los. Dadurch das wir weniger Benzin verbrauchten, wie die starken Autos aus der GT Klasse. konnte ich unser Auto schon an der 5. Position übernehmen. Wir sind dann sehr lange mit den großen Autos in der selben Runde geblieben. Je nach Tankstopp waren wir immer zwischen Platz 3 und 8. In meinem 2. Turn ist dann eine Ölleitung gebrochen. Der Motor hat dabei Gott sei Dank nichts abbekommen. Der Wechsel der Kühlers hat uns 35 Minuten gekostet und so sind wir bis auf Platz 20 zurückgefallen.

Foto by speedpixel.de [click!]In der Nacht haben wir uns dann wieder brav auf den 8. Platz vorgearbeitet als unser Anlasser das erste Mal gestreikt hat. Normalerweise läuft unser Bolide wie ein Uhrwerk, aber in Spa war uns da Glück wohl nicht hold. Der Anlasser hat am frühen Morgen noch einmal gestreikt und so haben wir fast 2 Stunden in der Box mit Schrauben verbracht, Pech halt. Am Ende sind wir aber noch Platz 6 gelandet. Das war für mich physisch eins der härtesten Rennen die ich je fahren bin, da es in unserem Auto brüllend heiß war. Auf dem Nürburgring hatten wir noch eine Entlüftung für unseren Auspuffschacht, die sehr viel heiße Luft aus dem Auto gezogen hat. Dies war vom Reglement her in Spat verboten. Ich habe in jedem Turn ungefähr 2,5 Liter Flüssigkeit verloren. Der sechste Gesamtrang und der Klassensieg waren für uns, mit den Problemen die wir gehabt haben, ein schöner Erfolg.

Jetzt gilt meine Konzentration allerdings wieder der ETCC. Das nächste Rennen ist anfangs September in Imola. Das ist zwar noch einen Monat hin aber in der Meisterschaft ist es zwischen mir , Dirk und Andy Priaulx so sau eng das jeder kleinste Vorteil die Meisterschaft entscheiden kann. Im August bin ich dann noch 18 Tage in Valencia mit der Formel BMW Schule. Keine Ahnung wann wir dann noch Zeit zum Testen haben.

Also dann wünsche ich euch noch einen schönen August und ich werde nach Imola meinen nächsten Bericht liefern.

Eurer Jörg

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