Für uns ging es schon am Mittwoch los. Wir
sind mit Cabriolets von der Rennstrecke nach Spa in die Stadt und
von dort aus weiter nach Liege gefahren um Werbung für das
24 Stunden Rennen zu machen. So weit war das eine lustige Geschichte,
es waren nur leider zu wenig Zuschauer da.
Der
Donnerstag war dann komplett mit unserem 24 Stunden Auto verplant.
Am Vormittag gab es ein erstes freies Training in dem wir uns erst
einmal auf unser Auto und die Strecke einstellen konnten. Mit meinen
Teamkollegen Dirk Müller und Hans Joachim Stuck haben wir
da auch schon einmal die ersten Fahrerwechsel geübt. Die Fahrerwechsel
in Spa sind etwas schwerer als auf dem Nürburging da die Boxenstopps
durch die Schnelltankanlage wesentlich kürzer sind und wir
in Spa das Hans system tragen müssen. Unser Auto lag eigentlich
von Anfang an Recht gut weshalb wir am Set up nicht mehr viel machen
brauchten. Das zweite freie Training am Nachmittag war deshalb
für uns auch nur um uns Fahrer noch einmal auf die Strecke
und die Konkurrenz einzustellen. Am frühen Abend war das erste
Qualifying. Dirk hat da gleich in den ersten 10 Minuten einmal
eine Runde in den Asphalt gebrannt, die wohl alle von uns überrascht
hat. Mit der Zeit sollten wir am Ende auf einem tollen 11. Startplatz
stehen, was in einem Feld von 550ern und 575ern Ferraris, Saleen
und Viper's, die mehr als 100 PS mehr haben, wirklich topp
war. Im Nachttraining sind wir dann alle drei noch einmal ins Auto
gesprungen um das Licht einzustellen und uns auf die Nacht vorzubereiten.
Am Freitag sind wir mit unserem GTR gar nicht mehr gefahren um
uns auf die ETCC zu konzentrieren. Im ersten freien Training war
ich 5ter. Ich war endlich einmal wieder richtig zufrieden mit meinem
Auto und habe so für das zweite freie Training nur ein bisschen
an den Stoßdämpfern verändert. Im zweiten freien
Training war ich dann schnellsten mit einem fast perfekten Auto.
So perfekt wie mein Auto ist dann auch das Qualifying gelaufen.
Da wir in Spa mit den Autos der Deutschen Meisterschaft zusammen
gefahren sind und somit 34 Fahrzeuge waren, war es das wichtigste
eine Runde ohne Verkehr zusammen zu bekommen. Mein Team hat mich
genau zur richtigen Zeit herausgeschickt. In meiner ersten gezeiteten
Runde konnte ich dann eine Zeit hinzaubern, die keiner mehr schlagen
konnte. So hatte ich dann noch zwei Satz neue Reifen für das
Rennen.
Am
Samstag früh um 8 Uhr fingen dann die für mich mit
dem ETCC Warm Up härtesten 32 Motorsportstunden meiner Karriere
an. Ich war im Warm Up nur 11er, habe aber wirklich nur mein Auto
kontrolliert und nicht hart gepusht. Im ersten Rennen konnte ich
mich von der Poleposition gleich in Führung setzen. Ich hatte
wegen einem ersten abgebrochenen Start meine Reifen nicht richtig
auf Temperatur gebracht. Dirk der zweiter hinter mir war, hat so
aggressiv angegriffen, das ich ihn vorbeilassen musste um nicht
zu riskieren, dass wir zusammen abfliegen. Als meine Reifen nach
der dritten Runde dann auf Temperaturen waren habe ich dann wieder
Dirk angegriffen, der allerdings so geschickt geblockt hat, dass
ich keine Chance gehabt hatte fair an ihm vorbei zu kommen. Aber
das wichtigstes war, es mit dem zweiten Platz wieder 8 Punkte auf
meinem Konto zu haben.
Der Start zum zweiten Lauf war wieder klasse.
Ich konnte mich durch die Hilfe von meinem Teamkollegen Dirk, der
mich die lange gerade berauf an die BMW´s von Garcia und
Priaulx vorbeigeschoben hat, gleich auf Platz 3 setzen. In der
ersten Runde konnte ich mich dann auch an Tarquini vorbei
auf den 3. Platz vorfahren. Als ich mich in der zweiten Runde auf
der Geraden neben den Alfa von Farfus setze, fing es an unfair zu
werden. Farfus hat mich bei Tempo 230 in die Wiese gedrückt.
Ich bin aber voll auf dem Pin geblieben, um das Auto nicht zu verlieren.
Kurz vor dem Bremspunkt bin ich wieder auf den Asphalt zurückgekommen
und als erster in die Schikane eingebogen. In der zweiten Kurve
ist mir Farfus dann noch einmal seitlich ins Auto gefahren und ich
bin wieder auf den dritten Platz zurückgefallen.
Farfus
hat für seine Aktionen dann eine Drive Through Strafe bekommen,
aber ich hoffe, dass sich die Sportkommissare diese Aktion und
eine weitere unfaire Aktion mit Garcia noch einmal anschauen. In
der dritten Runde bin ich dann wieder an Tarquini vorbei und nachdem
mich Farfus noch einmal bremsen wollte hat er einen Fehler gemacht
und ich konnte in Führung gehen. Den Sieg habe ich mir dann
auch nicht mehr nehmen lassen und meinem Punktekonto noch einmal
10 Punkte geschenkt. Nachdem Hans Stuck den Start im M3 GTR gefahren hat ging es dann,
2 Stunden nach dem ETCC Rennen, für mich beim 24 Stunden Rennen
los. Dadurch das wir weniger Benzin verbrauchten, wie die starken
Autos aus der GT Klasse. konnte ich unser Auto schon an der 5.
Position übernehmen.
Wir sind dann sehr lange mit den großen Autos in der selben
Runde geblieben. Je nach Tankstopp waren wir immer zwischen Platz
3 und 8. In meinem 2. Turn ist dann eine Ölleitung gebrochen.
Der Motor hat dabei Gott sei Dank nichts abbekommen. Der Wechsel
der Kühlers hat uns 35 Minuten gekostet und so sind wir bis
auf Platz 20 zurückgefallen.
In
der Nacht haben wir uns dann wieder brav auf den 8. Platz vorgearbeitet
als unser Anlasser das
erste Mal gestreikt hat. Normalerweise läuft unser Bolide
wie ein Uhrwerk, aber in Spa war uns da Glück wohl nicht hold.
Der Anlasser hat am frühen Morgen noch einmal gestreikt und
so haben wir fast 2 Stunden in der Box mit Schrauben verbracht,
Pech halt. Am Ende sind wir aber noch Platz 6 gelandet. Das war
für mich physisch eins der härtesten Rennen die ich je
fahren bin, da es in unserem Auto brüllend heiß war.
Auf dem Nürburgring hatten wir noch eine Entlüftung für
unseren Auspuffschacht, die sehr viel heiße Luft aus dem
Auto gezogen hat. Dies war vom Reglement her in Spat
verboten.
Ich habe in jedem Turn ungefähr 2,5 Liter Flüssigkeit
verloren. Der sechste Gesamtrang und der Klassensieg waren für
uns, mit den Problemen die wir gehabt haben, ein schöner
Erfolg.
Jetzt gilt meine Konzentration allerdings wieder der ETCC. Das
nächste Rennen ist anfangs September in Imola. Das ist zwar
noch einen Monat hin aber in der Meisterschaft ist es zwischen
mir , Dirk und Andy Priaulx so sau eng das jeder kleinste Vorteil
die Meisterschaft entscheiden kann. Im August bin ich dann noch
18 Tage in Valencia mit der Formel BMW Schule. Keine Ahnung wann
wir dann noch Zeit zum Testen haben.
Also dann wünsche ich euch noch einen schönen August
und ich werde nach Imola meinen nächsten Bericht liefern.
Eurer Jörg
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