Langsam ernährt sich das Eichhörnchen

 

02.07.2006 – Mit nur zwei Punkten am Wochenende sollte man eigentlich nicht zufrieden sein aber in anbetracht der 60 Kg Zusatzgewicht, die ich an Bord hatte und der mittlerweile 15 siegfähigen Autos in unserer Meisterschaft, war es echt schwer noch einmal dick zu Punkten.

 

Freitags Training
Jiiiihaaa, Deutschland ist im Halbfinale! Bis eine viertel Stunde vor unserem ersten freien Training haben wir noch der Deutschen Mannschaft in Brasilien die Daumen gedrückt. Da Curitiba für die Meisterschaft eine neue Strecke war, haben wir am Freitag ein zusätzliches Training von der FIA bekommen. Die Strecke ist zwar nicht die größte Herausforderung, aber um 100 % besser als Mexiko im letzten Jahr. Mit 60 Kg Zusatzgewicht wusste ich, das es schwer werden würde und so war ich nach dieser Testsession mit 1,3 Sec Abstand auch nur 18.

1. Freies Training
Natürlich hatten wir einige Ideen um das Auto zu verbessern. Curitiba hat hauptsächlich schnelle Kurven mit sehr welligem Asphalt. Daraufhin haben wir dann auch die Abstimmung des Fahrwerks verändert und konnten den Abstand auf den Schnellsten, Giovanardi im Honda, auf 6 ½ zehntel verkürzen. Mit dem Abstand war ich trotzdem nur 13. In diesem Training waren 20 Autos in einer Sekunde!!!!!!

2. Freies Training
Schwupps, war ich wieder 18. Die Spitze ist in unserer Meisterschaft mittlerweile so eng, daß man mit 60 Kg Zusatzgewicht keine Chance mehr hat vorne mit zu Fahren. Wir haben allerdings einige gute Dinge am Set-Up gefunden, um das Auto über die Renndistanz konstant zu bekommen.

Qualifying
Wir wussten, daß wir alles auf eine Karte setzen mussten, deshalb haben wir beschlossen alle drei neuen Sätze Reifen zu verfeuern. Mit dem ersten Satz war mein Auto sehr aggressiv auf der Hinterachse und ich bin mit einigen anderen Autos zusammengekommen, die nicht gerade kooperativ beim Überholen waren. Mit meinem zweiten Satz konnte ich mich dann nach einer Veränderung an den Stoßdämpfern und mit Windschatten von Sharp im Honda auf Platz 12 vorschieben. Mit dem dritten Satz Reifen konnte ich nach einer weitern Veränderung an den Dämpfern noch einmal eine Verbesserung am Auto spüren. Meine Zeit konnte ich allerdings ohne Windschatten nicht mehr verbessern. Am Ende war ich 13. mit 7 Zehntel Sekunden Rückstand auf die Pole. Es waren wieder mal 20 Autos in einer Sekunde weshalb ich mit meinen 60 Kg Zusatzgewicht eigentlich zufrieden sein muss.

1. Rennen
Der Start war etwas schwierig, da ich eigentlich recht gut von der Linie gekommen bin, aber dann mitten auf der Geraden vom Gas musste um nicht zwischen Morbidelli und Duncan Huisman eingeklemmt zu werden. Ich konnte mich dann aber am Ende der Geraden außen, an zwei weiteren Autos vorbei, auf die 9. Position vorschieben. Der Rest des Rennens war recht langweilig. Ich konnte mich gut auf der neunten Position hinter Andy Priaulx halten, hatte aber nie eine echte Chance Andy anzugreifen, langweilig halt! Das Schlimmste an meiner Situation war eigentlich, das die neunte Position in unserer Meisterschaft der undankbarste Zieleinlaufsplatz ist den man sich vorstellen kann. Keine Punkte und der Fahrer, der vor Dir auf der 8. Position eingelaufen ist, steht im zweiten Rennen auf der Pole Position, du aber im Nirwana!

2. Rennen
Mein Start war o.k. und ich konnte gleich eine Startreihe gutmachen. Am Ende der langen Geraden hat es dann richtig gerumpelt. Ich konnte mich trotz kleiner Feindberührungen als siebter aus der ersten Runde retten, als das Pacecar das erste Mal herauskam. Wir hatten in der Pause zwischen den beiden Rennen eine weitere Veränderung an den Stossdämpfern gemacht die, wie sich im Nachhinein herausstellte, eher ein griff ins Klo war. Na ja, so richtig schlecht war mein Auto ja nun auch wieder nicht und deshalb habe ich nach dem Restart wieder versucht so viele Punkte wie möglich mitzunehmen. Das die Veränderung an den Dämpfern aber so viel ausgemacht hat habe ich erst nach ein paar Runden mitbekommen, als die Jungs vor mir weg waren und der Rest des Feldes an meinem Kofferraum geknabbert hat. Ich habe mich gewehrt wie ein Löwe und Gott sei Dank hat es noch eine zweite Pacecar Phase gegeben, in der ich mich vor den Jungs hinter mir erretten konnte. Nach dem Restart bin ich dann eigentlich drei Plätze zurückgefallen, als sich vor mir Menü im Chevrolet in der Zielkurve so zerbröselt, das das Rennen erneut unterbrochen wurde und auch abgebrochen wurde. Damit wurde ich als glücklicher siebter gewertet und konnte zwei weitere Punkte auf mein Konto schreiben.

Keine Ahnung wo ich gerade in der Meisterschaft stehe, da ich im Flieger nach Hause sitze und ich nur weiß, das der Führende in der Meisterschaft 11 Punkte gemacht hat und ich nur zwei! Wichtig ist nur das noch alles offen ist und ich nicht aufgeben werde bis ich Andy Priaulx geschlagen habe, der im Augenblick das Maß der Dinge in unserer Meisterschaft ist.

Also, Bis zum nächsten mal in Mexiko

Euer Jörg

Foto: www.bmw.com