Wer aber eine Deutsche Autobahn kennt der weiß, dass bis ca. einen Monat nach der Baustelle noch Schilder da stehen, die sagen "mein Freund, fahr 80 weil Du sonst anderen Verkehrsteilnehmern Steine in die Frontscheibe schleudern könntest. Beim Bremsen, selbst mit normalem Sicherheitsabstand, nicht mehr vor der Bassbox im Kofferraum deines vorausfahrenden Freundes zum stehen kommst, und Du seid 150 Km versuchst einen LKW zu überholen, Du Dich aber nicht traust aus der Spurrinne auszuscheren um dem Fahrer eben jenes LKW auf der Autobahn in die Augen zu schauen". Fast genauso geschehen dieses Wochenende!
Ich möchte in diesem Bericht einmal nicht darüber schreiben, dass ich mal wieder keine Punkte mit nach Hause gebracht habe, sondern über Renn- und Veranstaltungs-verhältnissen, die es meiner Meinung nach nicht verdient haben einen Lauf zur Tourenwagen Weltmeisterschaft auszutragen. Nach einer ersten Besichtigung der Strecke am Donnerstag hat mich schon gewundert, dass noch so viele Leute auf der Strecke herumspringen und mit 30 cm breiten Besen versuchten, die Strecke zu reinigen.
Zusatztraining
Wir bekommen für die Rennen, bei denen die Autos in Containern verschickt werden, immer ein zusätzliches Training, um die Autos zu checken. Dieses Mal war das aber echt lächerlich. Man ist nur auf Rollsplitt rumgerutscht und ich wollte eigentlich auf Regenreifen wechseln, die aber wohl bei 32 Grad Außentemperatur dahin geschmolzen wären. Jedenfalls sind alle Autos auf der neu umgebauten Strecke gefahren und eigentlich keiner der Fahrer befand, wie man bei der Fahrerbesprechung hören konnte, die Streckenverhältnisse für WM tauglich.
Offizielles freies Training
Die Strecke war so toll in Schuss, dass unser erstes freies Training um über 3 Stunden verschoben werden musste womit dann auch klar war, dass eins unserer freien Trainings abgesagt wird. Der Veranstalter war, wie schon im letzten Jahr, den Asphalt am ausbessern. Um 9.15 waren auf jeden Fall anstatt der Rennautos Walzen auf der Strecke, die von Hand aufgestreuten Reparaturasphalt Festwalzen sollten. Auf den Säcken mit diesem Reparaturasphalt stand übrigens "nach Verarbeitung 3 Wochen nicht betreten". Es ging dann auf jeden Fall um kurz nach 12 Uhr los und die Strecke war wie im letzten Jahr eine Katastrophe. Zum Auto konnte man auch nicht so richtig etwas sagen da ich ja eigentlich, um es mit Worten aus dem Rallysport zu sagen, Asphaltspezialist bin und mich mit Slicks auf Schotter nicht so auskenne.
Qualifying
Das Qualifying ging um kurz nach 16 Uhr los und da muss man sagen, dass die Strecke in den Umständen entsprechend gutem Zustand war. Das erste Mal war nicht so viel Rollsplitt auf der Bahn, so dass die Reifen vernünftig arbeiten konnten. Ich bin zuerst einen gebrauchten Satz Reifen gefahren, um verschiedene Linien zu probieren bei denen man mit dem halben Auto durch die Wiese fährt. Das war aber für mich auch nicht besser. Ich habe zwei Sätze neue Reifen verwendet und war am ende 13., der beste BMW stand auf Platz 10.
Warm Up
Auch im Warm Up war die Strecke einigermaßen in Schuss. Allerdings war es morgens auch noch etwas Kühler womit der Asphalt nicht so weich war.
Rennen 1
Schon in der Runde in die Startaufstellung konnte man sehen, und in den Radkästen hören, dass die Strecke wieder eine Katastrophe war. Die mexikanischen Streckenposten waren zwar alle mit Ihren 30 cm breiten Besen unterwegs, zum Rennsonntag gab es auch zum ersten Mal Kehrmaschinen, aber das war auf dieser Strecke ein Kampf gegen Windmühlen. Beim Start wollte ich zwischen Peter Terting und Ricard Rydell durchfahren. Der hat dann allerdings das Loch in dem ich schon meine Nase gesteckt hatte zugemacht und ich musste vom Gas, um eine Kollision zu verhindern. Nach einer Runde wurde das Feld, nach einem schweren Unfall von Robert Huff, schon von dem Pace Car empfangen und in der zweiten Runde wurde das Rennen mit der Roten Flagge abgebrochen. Nach dem Restart bin ich in den ersten vier Kurven schon 2-mal neben der Linie gewesen und hab fünf oder sechs Plätze verloren. Ich weiß nicht einmal auf welchem Platz ich ins Ziel gekommen bin. Punkte für die Platzierung gab es auf jeden Fall keine.
Rennen 2
Mein Start war o.k. und ich glaube ich habe zwei Autos bis Ende der Start und Ziel geraden überholen können. Beim Einlenken war ich dann wieder im Dreck und habe die Plätze gleich wieder verloren. Nach zwei Runden habe ich in Linkskurven immer mehr Untersteuern bekommen und eine Runde später ist mir der rechte Vorderreifen kaputt gegangen. Nach dem Reifenwechsel war natürlich nicht mehr viel drin.
Tja, mal wieder keine Punkte, aber um ehrlich zu sein bin ich der Meinung, dass man auf dieser Strecke ein Rennen zur Tourenwagen Weltmeisterschaft gar nicht hätte starten dürfen. Der Rennleiter hatte uns versprochen Reifenstapel in die Scheitelpunkte der Kurven zu stellen um das abkürzen zu verhindern ... die Reifenstapel sind nie aufgetaucht! Während des ersten Rennens waren plötzlich auf Start und Ziel die Roten Ampeln an, in der nächsten Runde waren sie wieder aus! Beim Restart des ersten Rennens wurde das 3 Minuten Schild mal kurz mit dem 1 Minuten Schild verwechselt, was normalerweise das Starten der Motoren bedeutet! Und die Strecke ... na ja, hoffentlich war es wenigstens für die Fans am Fernseher eine gute Show!
Beim nächsten Rennen in Brünn haben wir dann wieder eine Strecke die WM-Standard hat. Ich werde mit 20 kg weniger unterwegs sein und deshalb top motiviert an die Sache gehen.
Bis zum nächsten Mal
Euer Jörg
Foto: www.bmw.com
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