1. Freies Training
Das erste Training in Brünn war auf nasser Strecke. Da wir allerdings gedacht hatten, dass es abtrocknen würde, haben wir von den Federn her eine trockene Abstimmung gewählt. Nach einem ersten Outing von fünf gezeiteten Runden bin ich zurück in die Box. Da es nicht wie erwartet abtrocknete sind wir auf Regenreifen geblieben und haben nur eine Veränderung am Luftdruck gemacht. Ich war das ganze Training über unter den Schnellsten und konnte mich am Ende als Vierter qualifizieren.
2. Freies Training
Da es vor dem Training wieder angefangen hatte zu regnen, sind wir auf ein komplettes Regen Set-Up gegangen. Das hieß, dass wir eine weichere vordere Feder eingebaut und den Sturz reduziert haben. In dieser Session hat es dann allerdings recht schnell angefangen abzutrocknen und ich konnte nur drei Runden auf Regenreifen fahren. Ich war diesmal auf Regenreifen Schnellster und mein Auto war klasse. Wir haben dann auf Slicks gewechselt und das Auto so gut wie möglich auf trockene Bedingungen umgebaut. Wir haben also die Stabilisatoren wieder eingehängt und sind auf eine härtere Dämpferabstimmung gegangen. Das Auto hat mir ein wenig zu stark übersteuert, aber am Ende dieses Trainings war ich immer noch Dritter.
Qualifying 1
Im ersten Zeittraining wollte ich Augusto einen Windschatten geben. Wir sind also hintereinander raus und haben versucht einen freien Spot auf der Strecke zu finden. Das ging allerdings schwer in die Hose. Die Seats vor uns sind die letzten drei Schikanen unheimlich langsam geworden und so haben uns die ganzen Privatfahrer überholt, die von hinten kamen. Ich musste also die erste gezeitete Runde auch recht langsam fahren um einen freien Platz auf der Strecke zu finden. Augusto war zwischenzeitlich an mir vorbei. Ich habe dann die zweite gezeitete Runde alleine in Angriff genommen und konnte die bis dahin schnellste Zeit auf den Asphalt brennen. Am Ende war nur Andy Priaulx schneller, der allerdings einen zweiten Satz Reifen dafür opfern musste. Ich bin mit meinem zweiten Satz neuer Reifen auch noch mal raus, habe aber in der Einführungsrunde von Jacques, meinem Ingenieur über Funk Bescheid bekommen, dass ich keine schnelle Runde mehr fahren musste, da ich mit Platz zwei sicher im zweiten Qualifying war.
Qualifying 2
Mein Auto hat im ersten Zeittraining zu stark untersteuert, und so haben wir noch eine kleine Veränderung am hinteren Stabi und an den hinteren Stoßdämpfern gemacht. Wir haben bis zum Schluss des Trainings gewartet, da die Strecke während eines Trainings eigentlich immer schneller wird. Ich bin dann erst drei Minuten vor Ende des Trainings raus…. und es fing ganz leicht an zu regnen. In meiner schnellen Runde musste ich dann sogar viermal die Scheibenwischer einschalten, was natürlich ein wenig verunsichert, da man nie weiß wie viel Gripp die Strecke noch hat. In der vorletzten Schikane vor Start und Ziel habe ich es für diese Verhältnisse dann ein wenig übertrieben, bin die erste Kurve zu schnell angefahren und habe einen riesigen Übersteurer bekommen. Ich musste runter bis in den zweiten Gang, wo man normalerweise im dritten Gang fährt. Laut Zwischenzeiten habe ich durch diesen Fehler 0,915 Sekunden verloren und konnte mich somit nur als Siebter qualifizieren. Ich hätte aber Dritter sein können!
Warm Up
Das Auto im Warm Up einzuschätzen war wieder mal schwer. Da es über Nacht wieder geregnet hatte, war die Strecke sehr dreckig. Wir hatten das Auto etwas weicher gemacht, aber einen großen Unterschied konnte ich nicht feststellen. Ich war aber Zweitschnellster, also konnte das Auto nicht so schlecht sein.
1. Rennen
Mein Start war der wahre Horror. Ich konnte hinter dem Seat vor mir die Startampel nicht sehen. Als ich durch das Auto von Tarquini dann endlich die Ampel sehen konnte, war die schon auf Grün und neben mir sind die Autos vorbeigepfiffen. Beim Einbiegen in die erste Kurve stand dann auch noch plötzlich ein Chevy vor mir quer und ich musste noch mal stark bremsen, wodurch noch ein paar mehr Autos an mir vorbei sind. Durch den Crash in der ersten Kurve kam dann das Pace Car raus. Als ich das nächste Mal an Start und Ziel vorbeikam, haben mir meine Jungs die Tafel raus gehalten auf der Platz elf stand. Wenn man bedenkt dass sich fünf Autos vor mir eliminiert hatten, habe ich bei diesem Start insgesamt neun Plätze verloren…. Das ist mein neuer Negativ-Rekord! Nach dem Restart lief aber dann alles wie geschmiert und ich konnte in der ersten Runde schon drei Positionen gutmachen und war somit auf Platz acht schon wieder in den Punkten. An Hernandes und Porteiro vorbeizukommen hat dann zwei weitere Runden gedauert und ich fand mich schon hinter dem ersten der noch vier verbliebenen Seats wieder, auf Platz sechs. Mein Auto lief wie ein Uhrwerk und ich konnte mir fast jede Runde einen Seat schnappen. Zuerst Monteiro danach Muller, Tarquini und zum Schluss auch noch Rydell. Zwei Runden vor Ende des Rennens war ich plötzlich Zweiter und konnte es selber nicht glauben. Zanardi vor mir war schon über eine Sekunde weg aber ich konnte das Loch innerhalb von 1 ½ Runden zufahren und bin als Zweiter im Ziel angekommen.
2. Rennen
Der stehende Start war diesmal Top und ich konnte mich in der ersten Kurve an Rydell und Tarquini vorbei, von meinem siebten Startplatz, auf den fünften Platz schieben. Am Ausgang der ersten Kurve habe ich von Tarquini dann eine aufs Heck bekommen und musste leicht ins Gras wodurch nicht nur Tarquini und Rydell sondern auch Alex auf der nächsten Geraden an mir vorbeikamen. Beim Versuch wieder an Alex vorbeizugehen habe ich ihn dann auch leicht am Hinterrad getroffen, wodurch er etwas von der Linie kam und ich auf die siebte Position vorfahren konnte. Die Berührung war nicht wirklich gewollt, aber so was passiert im Zweikampf schon mal. Alex hat durch diesen Zwischenfall auch nur zwei Plätze verloren. Vor mir waren wieder vier Seats, die sich gegenseitig bekämpften und dadurch recht langsam waren. Es war ein ziemliches Durcheinander und ich konnte wieder an Rydell und Tarquini auf Platz fünf vorfahren. Hinter mir war mittlerweile Andy Priaulx und ich war am nächsten Seat am knabbern. Andy hat aber so viel Druck auf mich gemacht, dass ich mich nicht mehr alleine auf das Angreifen konzentrieren konnte, sondern auch immer verteidigen musste. Ich und Andy sind dann durch unseren Kampf wieder hinter Tarquini und Rydell zurückgefallen. Die letzten drei Runden habe ich dann einen tierisch harten, aber fairen Kampf mit Rydell ausgefochten, der Tarquini abgeblockt hat. Die Seats sind auf den Geraden immer noch schneller wie wir und deshalb konnte ich am Ende des Rennens leider nicht mehr als einen siebten Platz herausschlagen.
Letztendlich habe ich durch einen zweiten und einen siebten Platz zehn Punkte mit nach Hause nehmen können und bin jetzt wieder Vierter in der Meisterschaft.
Ich war an diesem Wochenende übrigens Hauptdarsteller vom "Inside WTCC Magazin", was Ihr am Dienstag um 22.30 Uhr auf Eurosport sehen könnt. Der Bericht dreht sich hauptsächlich um mein Wochenende an der Strecke und die Fahrwerksabstimmung meines Autos und sollte für Insider recht interessant werden. Die haben mir drei Tage mit der Kamera richtig am Hintern gehangen, aber es hat richtig viel Spaß gemacht. Vielen Dank an Sacha und Sebastian von Eurosport. Ihr ward nie aufdringlich, total interessiert und immer da, wenn es irgendwas Interessantes zu Filmen und zu Fragen gab.
Also am Dienstag um 22.30h Eurosport schauen!
Euer Jörg
Neue Fotos in der Galerie: FIA WTCC 2009
Foto: bmw-motorsport.com
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