Unfallorgien und ein schöner Abschluss in Macau

 

24.11.2009 - Mit der Meisterschaft für BMW und für Augusto Farfus hat es leider nicht geklappt, aber das Team Schnitzer hat am letzten Rennwochenende mit einem Doppelsieg noch mal alles gegeben. Ich habe insgesamt zehn Punkte mit nach Hause nehmen können, bin aber in der Meisterschaft auf Platz sechs geblieben.

 

Freier Test
Ich bin zuerst auf gebrauchten Reifen raus und hab einen fünf Runden "Run" gefahren, um wieder ein Gefühl für diese schwierige Strecke zu bekommen. Mein Auto lag von Anfang an gut und ich fühlte mich gleich wieder wohl in Macau. Ich bin die zweitschnellste Zeit gefahren, gleich hinter meinem Teamkollegen Augusto. Danach habe ich neue Reifen bekommen, um meine Zeit noch mal zu verbessern. Da aber in der Stadt zwei Autos an der Mauer gestrandet sind, war es keinem mehr möglich die Zeiten zu toppen. Ich war aber mit Platz zwei für das erste Training mehr als zufrieden.

Erstes freies Training
Wir mussten direkt auf neuen Reifen raus und haben gleich am Anfang ein paar Windschattenszenarien für das Zeittraining durchgespielt. Am Auto haben wir nur kleine Veränderungen vorgenommen. Ich konnte aber wieder die zweitschnellste Zeit fahren, obwohl wir in diesem Training sehr viele Unfälle hatten und die Session vorzeitig wegen eines schlimmen Lada-Unfalls abgebrochen werden musste.

Zweites freies Training
Gleich am Anfang meiner ersten fliegenden Runde bin ich am Ende der langen Geraden, in der Lisboa-Kurve, seitwärts in den Reifenstapel gedonnert, konnte meine Fahrt aber fortsetzen. Das Lenkrad stand nach diesem kleinen Ausritt ein wenig schief, aber ich bin trotzdem weitergefahren um wieder einen Rhythmus zu bekommen. Am Ende konnte ich mich hinter Huff und Andy als Dritter platzieren, obwohl ich ganz alleine und ohne Windschatten unterwegs war. Auch dieses Training wurde vorzeitig abgebrochen, da Tarquini heftig abgeflogen war.

Qualifying 1
Wegen der zahlreichen Unfälle in den Rennen vor unserem Qualifying fing unser Zeittraining fast eine Stunde später an. Auch unser Training wurde erneut von vielen Unfällen überschattet. Wir sind direkt mit neuen Reifen raus, um gleich mal eine sichere Zeit zu fahren.

Beim ersten Run konnte ich mich gleich als Vierter und bester BMW qualifizieren. In meinem zweiten Run hab ich dann Augusto einen Windschatten gegeben. Als ich meinen Windschatten bekommen sollte gab es in der Stadt gelbe Flaggen, weil D’Aste abgeflogen war und das Auto auf der Ideallinie stand.

Ich bin somit auf Platz sieben abgerutscht. Nach zwei Runden hat der Rennleiter dann die gelben Flaggen weggenommen, obwohl D’Aste immer noch sehr gefährlich stand und auch zwischenzeitlich Rydell in der Stadt an einer gefährlichen Stelle gestrandet war. Auch da gab der Rennleiter kein "Gelb" mehr. Irgendwann ist dann Thompson in den gestrandeten BMW von D’Aste gekracht und das Zeittraining wurde abgebrochen. Für mich war an diesem Unfall nur unsere Rennleitung schuld, die das Training nicht früher abgebrochen hat. Ich bin auf Platz sieben geblieben und war somit im Top10 Qualifying.

Qualifying 2
Da durch die Unfälle sehr viel Bindemittel auf der Strecke war, bin ich zuerst noch mal eine Runde auf gebrauchten Reifen raus. An der Unfallstelle von Thompson bin ich als Dritter vorbeigefahren, konnte aber schon nichts mehr sehen, da die beiden Autos vor mir so viel Staub aufgewirbelt haben, das es für mich zu einem gefährlichen Blindflug wurde.

Als ich dann in der Box stand um neue Reifen aufzuziehen zu lassen wurde das Training erneut abgebrochen. Ivan Muller hatte sich auf dem Bindemittel gedreht, Tarquini ist blind in ihn rein geknallt und Menü, der in der Staubwolke auch nichts sehen konnte, ist in Tarquini gekracht. Das zweite Qualifying hätte unter diesen Bedingungen nie freigeben werden dürfen.

Mittlerweile wurde es dunkel und als zweite Zeittraining wieder gestartet wurde hab ich zuerst Andy und Augusto einen Windschatten geben. Ich wurde dann auf meiner schnellen Runde von Menü aufgehalten, der mich nicht gesehen hat. Sechster war ich am Ende... aber nur weil ich keine schnelle Runde frei fahren konnte und vier Autos aus den Top10 in Kernschrott verwandelt wurden.

Ich musste am Wochenende eine größere Strafe zahlen, weil ich am Boxenausgang über die Boxenausgangslinie gefahren bin. Es gab an diesem Wochenende sicher andere Vorkommnisse auf der Strecke, die der Beachtung und Entscheidung durch die Rennleitung bedürft hätten.

Warm up
Das Warm up bin ich komplett durchgefahren, um den Luftdruck der Reifen für das Rennen besser einschätzen zu können. Außerdem haben wir das Fahrwerk noch ein wenig angepasst. Mein Bolide lag wieder sensationell und ich konnte die viertschnellste Zeit fahren.

Rennen 1
Beim ersten, fliegenden Start war alles wie ich es erwartet hatte. Schon vor der Start und Ziellinie sind die Seats von Tarquini und Muller über mich hergefallen. Die haben einfach wesentlich mehr Drehmoment, was Ihnen beim Beschleunigen hilft. Vor mir hat Gene dann Andy Priaulx in die Mauer gedrückt womit dessen Rennen beendet war.

Ich konnte mich vor der Lisboa Kurve noch vor meinem Teamkollegen Augusto Farfus auf Platz fünf einreihen. Einige Runden hab ich dann Druck auf Gene ausgeübt, bevor ich Augusto, der noch um die Meisterschaft fuhr, vorbeigelassen habe. Augusto war aber nicht wirklich in der Lage Gene zu überholen. Da Tarquini vor uns war, und somit die Fahrerwertung gewonnen hatte, haben wir uns auf Platz sieben und acht zurückfallen lassen, um wenigstens im zweiten Rennen mit umgekehrter Startaufstellung noch Chancen auf den Herstellertitel zu haben.

Rennen 2
Augusto ist von der Poleposition gut weggekommen und ich konnte mich vor dem Seat von Ivan Muller auf Platz zwei halten und bin auch so durch die erste Kurve gekommen. Ich hab geschaut das Ivan Muller, der immer noch um die Meisterschaft kämpfte, immer etwas Abstand zu uns hatte. Ich habe Augusto etwas Platz gelassen und die Lücke immer wieder zu fahren können, was gezeigt hat das ich im Rennen das schnellere Paket hatte.

In der dritten Runde ist der Abstand zu Muller dann etwas größer geworden, weil er wohl Probleme mit den Reifen bekam. Gleich darauf gab es die erste Pacecarphase, die das Feld wieder zusammenbrachte. Auch nach dem Restart machte Ivan Muller mir wieder recht großen Druck, aber ich konnte mich gut zur Wehr setzen. Nach zwei fliegenden Runden kam dann die nächste Gelbphase und das Rennen wurde wegen eines schweren Unfalls abgebrochen und nicht mehr neu gestartet.

Somit konnten wir zum Abschluss der Saison noch mal einen Doppelsieg für das Team Schnitzer herausfahren und hatten somit ein einigermaßen versöhnliches letztes Saisonrennen.

Leider konnte ich mich in der Meisterschaft nicht mehr verbessern und bin am Ende nur auf Platz sechs gelandet. Ich hatte aber in Macau das ganze Wochenende das stärkste BMW-Paket und konnte das auch mit der schnellsten Rennrunde im zweiten Rennen bestätigen.

Wie es nun im nächsten Jahr bei mir weitergeht, weiß irgendwie noch keiner, aber wenn es was neues zu berichten gibt werde ich mich sofort wieder melden.

Also macht es gut,
Euer Jörg

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Foto: BMW Motorsport